Alle Waffen in Schuß?

Jederzeit ist Einschießzeit, um spätere Überraschungen und Fehlschüsse zu vermeiden.

 Doch es kann und muß vorbeugend etwas getan werden. Zuerst einmal ist es wichtig, daß die Waffen in Ordnung sind. "Meine Büchsen gebe ich zum Büchsenmacher", sagte kürzlich ein Bekannter, "der wird das schon richten." Sicherlich werden die Waffenkontrollen von gewissenhaften Büchsenmachern ernst genommen und sauber ausgeführt, aber das entbindet niemanden von der Verantwortung, sich selbst davon zu überzeugen, wie seine Waffen schießen und wie gut er damit zurechtkommt. Deshalb möchte ich ein paar Tips zum richtigen Einschießen geben, denn nicht immer ist ein Fachmann in der Nähe! Der gesamte Bereich des Ein-, An- und Kontrollschießens ist eine wesentliche Voraussetzung für eine sichere Jagdausübung, der leider in der Jägerausbildung viel zu kurz kommt oder erst gar nicht vermittelt wird.


Das Schießen

Einen wichtigen Faktor beim Einschießen stellen die Scheiben dar, weil auf diesen die Ergebnisse sichtbar dokumentiert werden. Deshalb sollte der Jäger hier anspruchsvoll sein und die Ringscheibe für seine Zwecke verwerfen.

Leider wird diese kaum aussagekräftige Scheibe noch verbreitet verwendet. Statt dessen sollte er auf spezielle Anschußscheiben vertrauen. Diese Scheiben müssen besonderen Anforderungen standhalten, da das Einschießen auch immer mit einer Schußleistungsüberprüfung der Waffe verbunden ist.

Die Bedingungen müssen stimmen

Zuerst muß unmißverständlich festgestellt werden: das Jagdrevier ist kein Ort zum Einschießen. Das Waffengesetz erlaubt lediglich das Anschießen der Jagdwaffen im Revier. Anschießen bezieht sich allein auf das Überprüfen der Treffpunktlage und dabei durchzuführende geringfügige Korrekturen. Nur auf einem Schießstand dürfen und können dagegen Waffen angemessen eingeschossen werden. Auf den Schießständen ist auch die äußere Sicherheit vorhanden, so daß man sich voll auf das Einschießen konzentrieren kann.


Wie soll ein guter Platz zum Einschießen beschaffen sein?

Wichtig ist zuerst ein stabiler Tisch. Eine Reihe von Schießständen sind bereits mit stabilen und schwingungsfrei aufgestellten Anschußtischen ausgerüstet. Doch werden bei den Tischen schon häufig elementare Fehler gemacht, obwohl es recht einfach ist, passende Tische bereitzustellen. Mit dünnen Brettchen kann man Nistkästen bauen, Anschußtische benötigen dicke Bohlen oder gar Steinplatten und einen sicheren Stand. Auf vielen Schießständen findet man Anschußtische, die dem Schützen mehr Schwierigkeiten als Erleichterung bereiten. Ausgekehlte oder aufklappbare Tische sind oft unbequem und instabil. Instabil ist ein Tisch, der sich biegt, wenn sich der Jäger mit den Armen oder dem Oberkörper aufstützt. Während des Schusses kann es dabei zu einer Entlastung kommen, wodurch sich die Lage der Waffe leicht verändern kann. Eine Änderung an der Mündung um einen Millimeter wirkt sich auf einhundert Meter mit ca. zehn Zentimetern aus.

Die Waffenauflagen

Die Waffe muß beim Einschießen auf federungsfreien Auflagen liegen. Schon immer wurden dafür Sandsäcke benutzt. Leider sieht man allzu oft Sandsäcke, die bestenfalls dazu geeignet sind, das Frühjahrshochwasser von undichten Kellern fernzuhalten, weil sie viel zu groß sind. Bewährt haben sich Säckchen aus bis zu 3 mm starkem Leder, die fest mit Sand gefüllt sind. Textilsäckchen sind ungeeignet, weil immer feine Körnchen oder Staub heraus rieseln, sich an der Waffe festsetzen und zu Störungen führen können. Auf jeden Fall sollte man sich angewöhnen, mit mehreren Sandsäcken zu arbeiten, um damit die Waffe an zwei Punkten - an Vorder- und Hinterschaft so zu unterstützen, daß sie ohne Hilfe korrekt liegt. Es genügt nicht, irgendwelche abenteuerlichen Konstruktionen zu verwenden. Einschießgeräte müssen bestimmte Anforderungen erfüllen:

  • sie müssen der Waffe festen Halt bieten;
  • sie müssen in Höhe und Niveau verstellbar sein;
  • sie dürfen die Treffpunktlage nicht verändern;
  • sie müssen eine kontrollierte Waffenbewegung ermöglichen;

Es sind derzeit verschiedene Ausführungen auf dem Markt. Angefangen bei dem großen unhandlichen Preuß'schen Schießgestell über kleinere Leichtmetall (Hoppes) oder Kunststoff (Hornady Delta Rest) Ausführungen bis zu den Dreibeinen "tripots" der Benchrestschützen. Hier gibt es die amerikanischen von Wichita und B-Square und das SUPEREST aus deutscher Produktion. Die Benchrests (-Gestelle) haben den Vorteil, daß sie leicht transportiert und vielseitig eingesetzt werden können. Einige Jäger haben die Vorteile erkannt und setzen diese Geräte zum präzisen Einschießen oder bei Schießversuchen ein. Leider stellen bislang nur wenige Schießstandbetreiber ihren Besuchern diese Auflagen zur Verfügung. Andere geben den Rests mittlerweile den Vorzug vor anderen Lösungen. Trifft man auf einem Stand eine Dreibeinauflage an, so ist das schon ein besonderer Service. Problematisch sind Schießgestelle, die eine freie Waffenbewegung (free recoil) verhindern. Sobald der Hinterschaft fest an einem Schießgestell anliegt, verändert sich das Schußverhalten durch verschiedene Faktoren, die hier nicht weiter diskutiert werden sollen.

Gute Anschußscheiben erfüllen folgende Bedingungen:

  • das Format beträgt in etwa DIN A4
  • das Material ist nicht zu dünn, damit die Scheibe nicht einreißt oder flattert. Letzteres ist besonders wichtig, falls im Revier angeschossen werden soll oder muß.
  • ein guter Farbkontrast in ausgesuchten Spektralbereichen muß ein genaues Visieren ermöglichen.
  • die Einschüsse sollten durch das Zielfernrohr deutlich erkennbar sein.
  • Orientierungspunkte ermöglichen ein schnelles Erfassen von Treffpunktlage und Streuung.
  • für gebräuchliche Absehen werden Haltepunkte und Zentrierhilfen gegeben.
  • bei Waffen mit mehreren Kugelläufen insbesondere mit verschiedenen Kalibern sollen die Schußbilder gemeinsam dargestellt werden können.
  • Daten und Notizen sollen auf der Scheibe vermerkt werden können.
  • die Scheibe muß mitnehmbar sein, um damit Schußbilder für Waffen und Munition zu dokumentieren und zu archivieren (deshalb auch DIN A4).

Alle diese Voraussetzungen werden von der Spezial-Anschuß-Scheibe (SAS) in besonderer Weise erfüllt. Diese Scheibe wurde speziell für das Anschießen von Büchsen mit Zielfernrohren entwickelt und hat sich schon seit einigen Jahren in der Praxis bewährt, obschon sie bislang von Kennern geschätzt und genutzt wird. Für das Schießen mit offener Visierung nimmt man besser eine abgesetzte Ringscheibe, wie die Integrierte Kurz- und Langwaffenscheibe IKLS. Die Scheiben können beim IBUS bezogen werden

Vor allem innere Ruhe!

Nachdem die äußeren Voraussetzungen die Grundlagen für ein effektives Einschießen bilden, ist der Erfolg vom inneren Zustand abhängig. "Ich muß mal eben meinen Drilling einschießen." - Mit dieser  oberflächlichen Einstellung sind Fehler unvermeidlich vorprogrammiert. Man soll sich schon reichlich Zeit zum Einschießen nehmen und keine Hektik aufkommen lassen. Vor Beginn des Schießens ist innere Ruhe unschätzbar wertvoll. Deshalb sollen Puls und Atmung ruhig und gleichmäßig verlaufen. Jede körperliche Anstrengung oder psychische Belastung erhöht die Puls- und Atemfrequenz. Besonders bei Linkshändern wirkt ein schneller Pulsschlag störend. Linkshänder sollten deshalb darauf achten, inwieweit der Herzschlag auf die Waffe übertragen wird. Wichtig ist in jedem Fall, die innere Ruhe zu bewahren. Zwischen den Schüssen sind entsprechende Pausen einzulegen, um die Konstanz der Bedingungen zu überprüfen. Dabei ist zu entscheiden, ob die Schüsse aus kaltem Lauf oder aus warmgeschossenem Lauf abgegeben werden sollen. Manche gut ausgerüsteten Schießstände, wie z.B. die Anlagen in Münster-Havixbeck, Coesfeld- Flamschen, Unken oder Traunstein-Hufschlag, stellen zur Laufkühlung eine Gebläsevorrichtung als besonderen Service zur Verfügung. Bei guten Repetierbüchsen können durchaus längere Schußserien in kurzer Folge geschossen werden. Bei Waffen mit mehreren Läufen sollten die Läufe nur kalt geschossen werden. Aber man kann durchaus einmal ausprobieren, wie sich die Treffpunktlage bei Temperaturerhöhung verändert.


IKLS

Die Integrierte Kurz- und Langwaffenscheibe IKLS ist im Hoch- oder Querformat bestens für das Schießen und Anschießen über offenes Visier geeignet.

Die Benchrest - Technik

Die größten Erfahrungen im Schießen am Tisch haben die Benchrest Schützen. Von ihnen kann der Jäger eine bewährte Technik übernehmen. Deshalb möchte ich auch das Einschießverfahren am Beispiel der einfachen, aber wirkungsvollen Benchrest-Technik beschreiben. Das Prinzip besteht darin, daß die Waffe an zwei Flächen unterstützt wird -einmal am Vorderschaft und einmal am Hinterschaft. Dabei kann die Waffe mit den verstellbaren Auflagen spannungsfrei auf das Ziel eingerichtet werden. Bei Repetierbüchsen wird zur Kontrolle der Verschluß herausgenommen. Ein Blick durch den Lauf und dann - bei unveränderter Waffe - durch das Zielfernrohr zeigt grobe Abweichungen. Gleichzeitig dient der Blick durch den Lauf dazu, sich von seinem Zustand zu überzeugen.

Vor dem ersten Schuß werden Lauf und Patronenlager mit einem Lösungsmittel entölt. Dann werden mindestens drei Schüsse abgegeben. Die Waffe wird dabei durch die Auflagen geführt. Bei kleineren Kalibern bis zur Klasse der .243 oder .308 kann dabei erreicht werden, daß die Waffe während des Schusses eine Rückwärtsbewegung vollzieht. Der Fachausdruck hierfür heißt free recoil. Bei größeren Kalibern ist dies nicht immer zu erreichen, weil aufgrund der höheren Rückstoßenergie die Waffe fester eingezogen werden muß und daher auch springt. Ergeben die drei Schuß ein gleichmäßiges Bild, so kann damit begonnen werden, falls erforderlich, das Absehen auf den Schwerpunkt des Schußbildes hin zu verstellen. Dabei kann aufgrund der Fixierung durch das Dreibein der Vorgang über das Zielfernrohr selbst geregelt werden. Anschließend werden zur Kontrolle der Schußleistung nochmals mindestens fünf Schüsse mit gleichem Haltepunkt auf die Spezial-Anschuß-Scheibe abgegeben. Die zu beobachtende Streuung setzt sich aus waffen- und munitionsseitiger Streuung sowie aus schützenseitigen Faktoren zusammen. Die Benchresttechnik vermindert die Schützenstreuung so enorm, daß die Waffen- und Munitionsstreuung davon nicht oder nur unwesentlich überlagert wird. Bei dieser Technik sitzt der Jäger mehr neben als hinter der Waffe, wodurch eine natürliche unverkrampfte Haltung eingenommen wird. Die Waffe liegt auf Dreibein und Ohrensandsack von selbst. Wichtig ist die gleichmäßige und ruhige Betätigung des Abzuges. Wie jede Technik, so muß auch die hier beschriebene eingeübt werden. Daher möchte ich die Leser einmal dazu ermuntern, bei nächster Gelegenheit einen Versuch nach dem beschriebenen Verfahren zu unternehmen.

Technik und Ziele des Einschießens

Ein- und Kontrollschießen werden vom Jäger im Laufe der Zeit häufiger durchgeführt werden müssen. Sei es, die Laborierung wird gewechselt, oder wenn man sich nicht mehr sicher ist, ob die Waffe noch richtig schießt, weil man mit ihr am Hochsitz angestoßen ist. In der Jungjägerausbildung werden in erster Linie die Prüfungsdisziplinen eingepaukt. Eine gründliche Einweisung am Anschußtisch unterbleibt oftmals. So ist es kein Wunder, wenn viele Jäger nicht in der Lage sind, ihre Waffen richtig einzuschießen, weil ihnen nie eine brauchbare Technik vermittelt wurde. Ist sie doch notwendiger Bestandteil sicherer Waffenhandhabung und Vorübung zum Prüfungsschießen. Vorbereitung deshalb, weil der Jungjäger mit den Eigenarten der Waffe am Tisch bestens vertraut wird, ohne gleich unter Leistungszwang zu geraten. Denn es kommt beim Ein- und Kontrollschießen überhaupt nicht darauf an, eine hohe Ringzahl zu erzielen, sondern vielmehr werden bestimmte Fragen befriedigend beantwortet.

  • Wie komme ich mit der Waffe und Munition zurecht?
  • Welche Schußleistung bringt die Waffe mit welcher Munition (Geschoß)?
  • Ist das Schußbild für den beabsichtigten Zweck geeignet?
  • Wird die gewünschte Treffpunktlage (TPL) erreicht?
  • Ist die Schußleistung befriedigend?
  • Können auch andere Fertigungsserien oder Laborierungen aus der Waffe verwendet werden, ohne daß die TPL groß abweicht?
  • Wie und auf welche Entfernung (GEE) soll die Waffe eingeschossen werden?
  • Sind während des Schießens Anzeichen aufgetreten, die auf Fehler hinweisen?

Diese Fragen können durch richtiges Einschießen gelöst werden. Hierbei ist die SAS eine wertvolle Hilfe.


Den Erfolg selbst in die Hand nehmen

Die Einschießtechnik kann und soll jeder Jäger mit jedem Schießstandbesuch nach und nach erlernen und verfeinern. Eine perfekte Schießtechnik und intakte Waffen ist er seiner Ehre und dem Wild schuldig. Denn nur ein sauberer Schuß zählt. Als rechtzeitig auf zum Schießstand und die Waffen in Schuß bringen.

Störungen

Nicht nur Schwankungen in der Munition oder Änderungen an der Waffe verursachen Streuung, sondern genauso durch andere äußere Einflüsse, wie Wind, Regen, Licht und Mirage. Die stärksten seitlichen Flugbahnabweichungen bewirkt der Wind. Die Bewegungen von Grashalmen oder Ästen geben Aufschluß über die ungefähre Stärke und Richtung des Windes. Grundsätzlich sollte jedoch nur bei relativer Windstille eingeschossen werden. Auf Schießständen können ohne viel Aufwand kleine Fähnchen oder Bänder an vier oder fünf Stellen der Schußbahn angebracht werden, die die Windverhältnisse anzeigen, damit die Einschießergebnisse nicht verfälscht werden. Die Auswirkungen werden auf größere Entfernungen gerade bei kleineren Kalibern besonders deutlich. Man sollte sich deshalb als erstes bemühen, den Wind "zu lesen", weil das besonders für die Revierpraxis wichtig ist. Leichter Regen hat einen geringen Einfluß. Ein leichter Schnürregen weist sogar auf sehr konstante Bedingungen zwischen Mündung und Ziel. Hierbei werden oft beste Schußbilder erzielt. Bei starkem Regen werden jedoch dem Zufall Tür und Tor geöffnet, zumal die Kombination von Regen und Wind aussagekräftige Schußbilder ganz und gar verhindert.

Bei guten Zieloptiken kann ein weiter Helligkeitsbereich ausgenutzt werden. Optimale Lichtverhältnisse bietet eine leicht geschlossene Bewölkung mit ihrem gleichmäßigen Streulicht oder der sommerliche Vormittag oder Spätnachmittag. Auf jeden Fall vermeiden Sie direkte oder indirekte Einstrahlungen in die Optik. Störende Reflexionen können durch Gummimuscheln am Okular oder durch Sonnenblenden am Objektiv weitgehend ausgeschaltet werden, die zudem noch den Schützen vor Verletzung und das Glas vor Beschädigung schützen. Zuerst sollte man immer die größtmögliche Vergrößerung einstellen. Später kann man dann überprüfen, inwieweit Veränderungen beobachtbar sind, wenn die Vergrößerung verändert wird. Oftmals unbekannt oder unterschätzt wird die Mirage. Jeder kennt der Effekt, wenn man durch aufsteigende heiße Luft schaut. Der Hintergrund verschwimmt. Beim Schießen kann Mirage von einem heißen Lauf verursacht werden. Die Hitzeschlieren steigen unmittelbar vor der Optik auf. Das kann zu jeder Jahreszeit passieren. Zum anderen kann die Luft zwischen Mündung und Ziel unterschiedlich erwärmt sein. Durch die veränderten Luftdichten wird das Licht leicht gebrochen. Dann kann das Ziel nicht richtig anvisiert werden, weil es woanders gesehen wird, als es tatsächlich ist. Deshalb wird ein falscher Haltepunkt gewählt.

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