Keine Einwegpackungen bei Patronenmunition

DJV stellt Meisterschaftsteilnehmer unter Generalverdacht und führt Umweltschutz ad absurdum!

Naturschützer und Politiker fordern Verordnungen, um dem Müll aus Verpackungen begegnen zu können. Alle Verpackungen sollen an den Hersteller zurückgegeben werden können und von Hersteller auch wiederverwendet oder entsorgt werden müssen. Viele Verpackungen tragen seit einiger Zeit den grünen Punkt, für den der Verbraucher bezahlt. Wie können wir Jäger von selbst vorbildlich bei dieser Art der Müllvermeidung aktiv tätig werden? Unter diesem Aspekt wurde diese Frage vom  Institut für Ballistik und Schießtechnik  am Beispiel der Schrotpatrone untersucht. Warum mauern einige Verbände, allen voran der DJV e. V. in seiner Schießvorschrift, um diesen wichtigen Schritt zu vollziehen? Angesichts steigender Schrotpatronenpreise stellt sich die Frage: cui bono?


  1. Recycling vorrangig beachten
  2. Wiederverwenden gehr vor Wiederverwerten
  3. ... und die Kosten?
  4. Jagdpraxis
  5. Fallen der Verordnungen
  6. Fazit
  7. Zusammenfassung

Beobachtet man Jäger und Wurftaubenschützen auf Schießständen so kann man reichlich psychologisch oder fatalistisch begründete Verhaltensweisen studieren. Allein die Behandlung der Schrotpatronen durch die Schützen ist oftmals sehr aufschlußreich. Der eine dreht seine Patronen im Lager, bis der Schriftzug am Hülsenboden für einen optimalen Treffer gerichtet ist. Der andere wählt sorgsam für jeden Lauf aus den vielen verschiedenen Taschen die richtige Patrone.

Dienen diese Rituale noch der Konzentration oder sind sie schon Beschwörung. Wer weiß? Aber dann nach dem Schuß, müssen die Hülsen raus. Ob durch den Ejektor mit elegantem Schwung in die Tonne befördert oder ob unter dem Eindruck der gefehlten Taube die Hülsen in den Korb gepfeffert werden, mag jeder selbst deuten. Jedoch sollten Jäger, Sportschützen und Verbandsfunktionäre sich etwas mehr Gedanken darüber machen, ob die Hülsen noch zu mehr als Frustabbau dienen können. Ab und zu werden gegen alle Erwartung Schützen argwöhnisch beobachtet, die ihre abgeschossenen Hülsen wieder in die Tasche stecken und mitnehmen.

Dieses Problem betrifft alle Jäger in zweifacher Hinsicht sehr konkret und persönlich: zum einen den Umgang mit den Rohstoffen und zum anderen durch sein Konsumverhalten umweltfreundlich Maßnahmen zu begünstigen. Am Beispiel der Schrotpatrone soll verdeutlicht werden, auf welche Weise sich Umweltbewußtsein allerseits bilden kann. Es zeigt aber leider auch, wie keimendes Umweltverhalten durch hausgemachte Vorschriften oder durch Rechtsvorschrift im Kern erstickt werden kann. Die Problematik des Schrotmaterials und der Schrotladung soll in diesem Beitrag zunächst ausgeklammert und auf die Literaturangaben verwiesen werden.

Schrotpatronen als hausgemachtes Müllproblem

Schrotpatronen gehören seit jeher zur Jagd und zum Jagdschießen. In Deutschland wird jagdliches oder jagdsportliches Flintenschießen derzeit hauptsächlich nach den Regeln des Deutschen Jagdschutzverbandes DJV e.V., des AJSC und WJSC und KAJC betrieben. Die anderen Flintendisziplinen der ISSF (UIT) und der F.I.T.A.S.C. können vorerst vernachlässigt werden. In Deutschland fungiert die DJV-Schießvorschrift, obschon interessante Alternativen durchaus bekannt sind, derzeit als vorherrschendes Reglement für jagdliches Schießen. Deshalb muß sich dieses derzeit führende Reglement auch der besonderen kritischen Betrachtung stellen.

Die DJV Schießvorschrift verbietet trotz einiger Überarbeitungen in anachronistischer Weise immer noch "selbstgeladene" Schrotpatronen für Wettkämpfe des Deutschen Jagdschutzverbandes. Viele umweltbewußte Jäger sehen in dieser Vorschrift eine recht wirksame Bremse für umweltfreundliches Handeln. Nebenbei bemerkt ist das Begriffsfeld "selbstgeladen" technisch nicht eindeutig und rechtlich nicht definiert. Leider hat sich, durch verschiedene Faktoren begünstigt, die Vorstellung von der Schrotpatrone als Einwegverpackung sowohl auf dem Schießstand als auch bei der Jagd in den Köpfen der Jäger festgesetzt, weil die Schrothülse bislang nur von sehr wenigen Jägern handgeladen wurde. Sicherlich spielt vielfach dabei der Kostenfaktor eine ausschlaggebende Rolle.

Andererseits drängt entsteht der Eindruck auf, daß die Schrotladekomponenten (Treibladungsmittel, Zwischenmittel, Schrot) in unserem Land unnötig verteuert sind, um möglicherweise den Absatz an Fertigprodukten zu fördern, die kaum wiederverwendbar sind. In anderen Ländern in das Handladen von Schrotpatronen nicht nur weit verbreitet sondern auch kostenmäßig interessanter, weil die Komponenten weitaus günstiger angeboten werden können, weil viel mehr Jäger und Sportschützen auch ihre Schrotpatronen selber laborieren, weil die Komponenten günstiger zu haben sind. Falls Sie noch nicht wußten, was ein circulus diavoli ist, jetzt wissen Sie es. Nicht zuletzt werden bestimmte Hülsen auch konsequent zur Wiederverwertung konzipiert und gefertigt.

Recycling vorrangig beachten

Warum reagiert der Deutsche Jagdschutzverband mittels seiner Schießvorschrift nicht auf einfache Maßnahmen, um Rohstoffe und Müllaufkommen zu entlasten? Denn Schrotpatronen müssen als hochvolumiger Müll entsorgt werden. Die Kosten tragen die Schießstandbetreiber, die diese naturgemäß an den Endverbraucher weitergeben. Wurde hier bei der letzten Überarbeitung der DJV Schießordnung wieder eine wichtige Chance verpaßt? Aber auch die Industrie könnte eines Tages zur Rücknahme der Verpackungen und Hülsen, wie in anderen Bereichen schon jetzt, verpflichtet werden

Wiederverwenden geht vor wiederverwerten

Deshalb sollen hier Jäger, die Munitionshersteller und die Jagdverbände gefragt werden, wodurch umgehend umweltentlastendes Verhalten bei der Patronenmunition gefordert werden kann. Die Verantwortlichen im DJV sollen in diesem Punkt konkret angesprochen werden. Diese extrem umweltunfreundliche Regelung in der DJV-Schießvorschrift sofort fallen zu lassen ist unbedingtes Muß. Es gibt kein sachliches, geschweige denn vernünftiges Argument gegen die Verwendung "selbstgeladener" Schrotpatronen. Handgeladene Schrotpatronen müssen ab sofort für jeden Wettkampf im jagdlichen Schießen offiziell zugelassen werden. Damit soll der Müllberg an Schrothülsen drastisch verringert werden. Die Hersteller werden dadurch sicherlich eher motiviert, nur noch Patronen mit hochwertigen wiederverwendbaren Hülsen anzubieten. Aber selbst wenn nur ein kleiner Teil der Jäger zum Wiederladen von Schrotpatronen motiviert werden kann, so ist damit doch immerhin schon ein Anfang gemacht.

Hierzulande sind Handlader, anders als in vielen anderen Ländern, staatlich geprüfte Inhaber einer entsprechenden Erlaubnis nach dem Sprengstoffgesetz. Somit wissen diese Personen um die technischen Möglichkeiten und rechtlichen Grenzen ihrer Tätigkeit. Für diesen Personenkreis dürften einschränkende Vorschriften in Wettkampfordnungen ohnehin sowohl rechtlich als auch technisch ebenso sinnlos wie wirkungslos sein, da diese Personen eine gesetzliche Erlaubnis zur Munitionsherstellung haben. Bislang wurden jedoch seitens der Verbieter keine überzeugenden Gründe gegen das Laden und Wiederladen von Schrothülsen vorgestellt. Ebenso dürfte es zweifelhaft sein, inwieweit Bestimmungen einzelner Schießordnungen überhaupt rechtmäßig bestehende gesetzliche Erlaubnisse einschränken dürfen. Entsprechende Formulierungen dürften ohne rechtliche Bindungswirkung sein, weil irrelevant.

Welche Hülsen eignen sich für das Wiederverwenden

Hier muß vorausgeschickt werden, daß die großen amerikanischen Schrotpatronenhersteller wie beispielsweise Activ, Federal, Winchester, Remington, Peters, ihre Schrothülsen von vorne herein für das Wiederladen konzipiert haben. Die Hülsen müssen aber auch in den USA gefertigt sein. Dafür spricht schon der Hülsenaufbau, das Material, das Komponentenangebot und die markante 8er Stern Faltung. Die 8er Faltung haben mittlerweile auch eine ganze Reihe europäischer Hersteller (z.B. Fiocchi, Viri; Spartan) als nützlich entdeckt. Die 8er Faltung läßt sich gegenüber der 6er Faltung leichter und öfter wieder verschließen. Nicht zuletzt sind die Hersteller gefordert, geprüfte Ladeangaben für die verschiedenen Zwecke in befriedigendem Umfang zu veröffentlichen. Ein Blick auf die Ladedaten wichtiger der amerikanischen Komponentenhersteller zeigt, daß ca. 70 % der Daten sich auf Schrotpatronen beziehen. Leider müssen bei einem großen Teil der europäischen Schrothülsen noch viele Ladeangaben selbst erarbeitet werden. Übrigens kann man in Zeitalter der Wechselchokes durchaus auf zusätzliche Streumittel aus Kunststoff verzichten.

Kostenfrage

Sicherlich werden viele zu Recht einwenden, die selbstgeladenen Schrotpatronen sind zunächst teurer als handelsübliche Patronen. Das ist unbestreitbar für einen Teil des Marktes zutreffend. Sicherlich ist kein anderer Markt in der Branche so heiß "umkämpft" wie der der Sportschrotpatronen im Kaliber 12/70. Bein Laborieren von Schrotmunition werden jedoch keine Billigpatronen kopiert sondern Spitzenpatronen, wodurch die Relation sich schon verändert. Aber schon ein Blick auf andere Kalibern zeigt ein völlig anderes Bild. Eine 20/76, 12/76, Flintenlaufgeschoßpatronen oder andere kleinere Schrotkaliber, wie 28 und .410, können erheblich günstiger selbst produziert werden. Die Kostenfrage kann letztlich nur aufgrund einer individuellen Kalkulation gelöst werden. Bei steigendem Bedarf werden voraussichtlich auch Kosten für Komponenten (Schrote, Zwischenmittel etc.) sinken und eine Relation wie bei den Metallhülsen erreichen. Eine Rücknahme der Hülsen und der Verpackungen durch den Hersteller würde sicherlich die Kosten eher erhöhen. Vielleicht gelingt es auch Verpackungen zu entwickeln, die auch unabhängig von der Wiederladbarkeit der Hülsen, geeignet sind die abgeschossenen Hülsen insgesamt wieder aufzunehmen und einem sinnvollen recycling zuzuführen.

Gehen wir einmal davon aus, daß der Großteil der Jagdschützen seine Metallhülsen (Büchsenpatronen und Kurzwaffenpatronen) bereits wiederlädt. So sind die rechtlichen Erlaubnisse (Sprengstofferlaubnisschein gem. § 7 oder gem. § 27 SprengG) und eine Wiederladeausrüstung bereits vorhanden. Seit einigen Jahren gibt es spezielle Matrizen für Schrotpatronen der Kaliber 10; 12; 16; 20, die in die normale Ladepresse eingesetzt, bis zu 100 Patronen pro Stunde fertigen kann. Wer jedoch größere Stückzahlen oder schneller produzieren möchte, der sollte von vorne herein zu einer Mehrstationenpresse für Schrotpatronen greifen. Damit können je nach Ausführung zwischen 100 und 700 Patronen pro Stunde hergestellt werden.

Eine allgemein gültige Kostenanalyse ist im Bereich der Schrotpatronenproduktion nicht einfach und einheitlich durchzuführen. Hier müssen schon individuelle Voraussetzungen abgewogen werden. Im allgemeinen kann man sagen, daß eine Handgeladene Schrotpatrone derzeit je nach Komponenten zwischen 0,20 Euro bis 0,35 Euro kostet. Dabei muß auf jeden Fall beachtet werden, daß nicht die Billigpatrone kopiert wird, sondern die Spitzenpatrone, die nun auch im Ladenpreis in dieser oder höherer Preiskategorie zu finden ist, dupliziert wird. Auch schlagen Preisunterschiede zwischen Blei-, Weicheisen- oder Zinkschrot nicht besonders zu Buche.

Jagdpraxis

Eine paar Worte zur Jagdpraxis sind sicher noch angebracht. Ob Plastikhülsen oder Papphülsen verwendet werden und diese dann verbleiben, mag beim Jagdgericht für die eine oder andere Pönung gut sein, jedoch gehört weder die eine noch die andere Hülsenart in die Landschaft geworfen. Es wäre deshalb sicher ein positiver Ansatz, wenn die Vokabeln "wegwerfen und verrotten" durch "mitnehmen und recyclen" ersetzt und dies auch in die Tat umgesetzt werden würden. Dabei sollte das Ziel der Hülse die eigene "gelbe Tonne" sein und nicht irgend ein öffentlicher Papierkorb.

Fallen der Verordnungen

Doch leider stehen eine Reihe von Bestimmungen den Umweltschutzbemühungen einzelner entgegen. In letzter Zeit haben Veränderungen in der Gefahrgutverordnung Straße GGVSEB, die sich übrigens schneller ändert, als die Loseblattsammlungen nachliefern können, für Jäger und Sportschützen erhebliche Einschränkungen gebracht. Es ist schon verwunderlich, daß von dieser Vorschrift gerade die Kleinmengen so arg betroffen werden. So orientiert sich die Höchstgrenze beim Transport explosionsgefährlicher Stoffe in Munition nicht mehr an der durchaus sinnvollen Nettomasse von 50 kg, die jahrelang ohne weitere besondere Sicherungsmaßnahmen transportiert werden konnte, sondern legt eine erheblich reduzierte Bruttomasse zugrunde. Abgesehen davon, daß diese Menge für den privaten Nutzer kaum relevant ist, (50 kg netto Explosivstoff entsprächen ca 35.000 Schrotpatronen und wögen ungefähr 12 Tonnen) weil unrealistisch. Würden beim Auto gleiche Maßstäbe zugrunde gelegt, dann dürfte es nur drei Liter Tanks geben, wobei der Tank selbst noch mitgerechnet würde.

Ein Jäger oder Sportschütze kann also beispielsweise seinen Schrotpatronenvorrat für die Saison nicht mehr ganz so einfach beim Händler abholen. An umweltfreundliche Fahrgemeinschaften ist nun gar nicht mehr zu denken. Jäger, die bislang energiesparend und verkehrsgerecht in einer Fahrgemeinschaft zu einer Schießveranstaltung gefahren sind, werden sich nunmehr jeder in ein Auto setzen müssen.

Für Regelungen, die den Transport gefährlicher Güter betreffen, ist das Bundesverkehrsministerium zuständig. Die GGVS verhindert, vielleicht ungewollt, durch sachlich kaum nachvollziehbare Vorschriften umweltbewußtes Verhalten privater Verbraucher. Die einschlägigen Verordnungen müssen dem privaten Anwender einen angemessenen Freiraum einräumen und nicht durch kleinliche Bestimmungen die Situation unnötig erschweren.

Fazit

Zunächst einmal sollten Ansätze zum aktiven Umweltschutz dort gefördert und ausgeweitet werden, wo sie sinnvoll auch in relativ kurzer Zeit umgesetzt werden können. Wird jede Schrotpatronenhülse einmal wiedergeladen, so verringert sich die das Entsorgungsvolumen auf die Hälfte. Das setzt jedoch voraus, daß die Hülse auch wiederverwendbar ist.

Zusammenfassung der Hauptthesen

Umweltbewußtes Verhalten innerhalb der Jägerschaft wirksam zu unterstützen und zu fördern, ist nicht zuletzt eine Frage der Glaubwürdigkeit der Jagdverbände.

Eine kürzere Version dieses Beitrages ist in der Zeitschrift Wild und Hund 12/98 S. 54-56 unter dem Titel Einweg ist kein Weg erschienen. Siehe auch unter Publikationen auf der Titelseite!

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