Jagdliches Schießen braucht neue Impulse!

Neue und klare Ziele braucht der Jäger. Jagdschiessen hat viele Dimensionen. Die ersten Veröffentlichungen des Autors zu dieser Thematik  gehen auf die Zeit ab den 1980er Jahren zurück. Einige der schon dort dargelegten Ideen wurden inzwischen von verschiedener Seite adaptiert und teils in plagiativer Weise als eigene Neuerung dargestellt. Dies zeigt, wie grundlegend und bedeutend die Überlegungen und Ideen des Autors sind.

Gewissenhafte Jäger und Schießobleute beklagen immer häufiger ein mangelndes Interesse am jagdlichen Schießen. Die Schießstände der Jägerschaft sind zeitweise bei weitem nicht ausgelastet, obschon es sicherlich viel zu wenige Schießstände gibt. Die Schießausbildung der Jungjäger reduziert sich zwangsläufig auf drillmäßiges Einüben der Prüfungsleistungen. Doch, wie es danach weiter geht, bleibt jedem selbst überlassen. Mittlerweile haben auch namhafte Publikationen die Brisanz dieses Themas erkannt und greifen profitierend die Initialideen des Autors auf.

 Jagdliches Schießen nach DJV e.V. Manier entwickelt sich von der genuinen Intension weg. Übung für die Jagd und waidgerechtes und umweltbewußtes Verhalten treten hinter unreflektierte technische Bestimmungen zurück. Sei es die stufenweise Reduzierung der Schrotmasse von 36 g auf 24 g, der Chokeswechsel, die Verwendung von Lochschäften oder die Büchsenpatronenbeschränkung auf eine Hülsenlänge. So ist die These nicht zu gewagt, daß Tierschutzgerechtigkeit in weiten Teilen des Jagdlichen Schießen nicht deutlich werden.

Wir fordern eine sinnvolle und praxisorientierte europäische Rahmenanleitung für Jagdschießen!

Immer wieder finden sich von Zeit zur Zeit in der Jagdpresse mehr oder weniger sinnvolle Verbesserungsvorschläge zum jagdlichen Schießen, die sich aber insgesamt in Detailverbesserungen der DJV-Schießvorschrift erschöpfen, teils auf persönlichen Erfahrungen beruhen und teils recht absurde Vorstellungen enthalten. Es gilt jedoch, das System des Jagdschiessens insgesamt zu konzipieren. Wir wollen den Versuch wagen, Jagdschiessen aufgrund empirischer Analysen neu zu konzipieren. Die Mitgliedschaft des DJV in der FITASC hat bislang noch keine erkennbaren Resultate gezeigt, die das jagdliche Schießen weiterführen. Die seit dem 01.01.2010 vorliegenden "Regeln des jagdlichen Kombinationsschiessens" zeigen vereinzelt willkommene Ansätze, die unsererseits schon seit langem gefordert wurden oder gar übernommen wurden. Insgesamt ist dieses Regelwerk, abgesehen von eklatanten Defiziten in den Formulierungen, äußerst verbesserungsbedürftig.

Der Jäger muß sein Handwerkszeug Schußwaffe so beherrschen, daß die öffentlichen Sicherheitsinteressen und die Tierschutzforderungen voll erfüllt werden. Ausgehend von den Beteiligungen an Übungsschießen und Meisterschaften müßten weit über 90 Prozent der Jäger - da hier nicht präsent - begnadete Naturtalente im jagdlichen Schußwaffengebrauch sein, die regelmäßiges Üben nicht nötig haben. Dies kann nicht sein, wie die Praxis beweist. Was aber sind die Gründe für diese mangelnde Beteiligung an den von dem jagdlichen Vereinigungen angebotenen Terminen am jagdlichen Übungsschießen? Ist es die Scheu des Einzelnen schlechter abzuschneiden als der (in Wirklichkeit ebenfalls nicht überragende) Standnachbar? Oder ist es die Inattraktivität der nicht an der jagdlichen Praxis orientierten Scheiben gekoppelt mit der DJV-Schießvorschrift. Schließlich wird letztere, falls überhaupt bekannt, bei diesen Übungen und der Jägerprüfung favorisiert. Auch die Schießstände sind eher nach den spezifischen Anforderungen an einzelne Disziplinen orientiert, als an universelle Nutzungsmöglichkeiten.

Nach offizieller Diktion des DJV ist jagdliches Schießen kein Selbstzweck. Einige Landesverbände haben dagegen die sportliche Dimension des jagdlichen Schießens richtigerweise erkannt und satzungsgemäß fixiert. Diese Bestimmungen in Verbindung mit einem Dickicht von Gesetzen und Verordnungen drohen die Philosophie des jagdlichen Schießens und der Jagd selbst zu ersticken - wenn nicht entscheidende Impulse freie Sicht und freies Atmen schaffen. Wir brauchen ein jagdliches Schießen, welches die Jäger gerne annehmen. Die DJV-Schießvorschrift, als derzeit führende Schießvorschrift in Deutschland, bevorzugt dogmatisch die Leistungs- und Wettkampfspitze, wobei Breitenarbeit primär nicht deutlich wird. Damit verhindert sie letztlich einen von der Basis bis zur Spitze gehenden gesunden strukturierten Aufbau. Das hergebrachte jagdliche Trap und Skeet bedarf dringend der Weiterentwicklung. Bereits anfand der 1990er Jahre hat das Jagdamt des WJSC mit dem FGR Ballistik und Schießwesen ein Jägertrap oder Jägerskeet  resp. dessen Verschmelzung erarbeitet und vorgeschlagen.

Wir definieren jagdliches Schießen so: Jagdliches Schießen ist jede Handhabung und jeder Gebrauch von Schußwaffen in mittelbarem und unmittelbarem Zusammenhang mit der Vorbereitung zur Jagd und deren Ausübung, sowie deren Nachbereitung. Die Bedürfnisse von Jagd und Jäger müssen ausschlaggebend für eine systematische Schießordnung sein, die alle Aspekte eines praxisnahen jagdlichen Schießens berücksichtigt. Diese Aspekte bilden trotz aller Verschiedenheit eine existente Einheit, obwohl manche das gar nicht gerne hören. Es sind dies:

Aspekte des jagdlichen Schießens:

  1. Waidgerechtigkeit und Tierschutz;
  2. Handhabung und Sicherheit im Umgang mit Schußwaffen;
  3. Pflege der Tradition und Jagdkultur;
  4. Sport und Wettkampf
  5. Ausgleichssport und Freizeitgestaltung.

Die Originale der Tierzeichnungen stammen aus der Hand des bekannten Jagdmalers J. Snethlage

Vor einigen Jahren waren einige Fachleute des IBUS innerhalb des vormaligen WJSC bemüht, eine Schießordnung für internationales Jagdschießen zu entwickeln, die die nachfolgend dargestellten drei Stufen des jagdlichen Schießens gleichberechtigt und ausgewogen berücksichtigt. Diese Schießordnung wird vom Akademischen Jagd und Sporting Congress AJSC getragen.

1. Ausbildungsschießen

Wir wollen ein Ausbildungsschießen, bei dem der Jäger auf die multiplen jagdlichen Situationen angemessen reagieren lernt. Dabei beachtet er auf dieser Stufe besonders die korrekte Handhabung und den sicheren Umgang mit Schußwaffen. Der Jäger lernt seine Leistungsgrenze kennen. Ziel des Ausbildungsschießens ist die Befähigung, die Jagd mit der Schußwaffe sicher und tierschutzgerecht ausüben zu können.

2. Übungsschießen

Durch regelmäßiges Übungsschießen erreicht der Jäger, daß er sich seiner Leistungsfähigkeit und Leistungsgrenze beim Schußwaffengebrauch ständig bewußt ist. Hierdurch wird die wichtige Dimension Waidgerechtigkeit und Tierschutzgedanke verwirklicht.

3. Leistungsschießen

Das Leistungsschießen erfüllt die Dimension der sportlichen Betätigung und des Wettkampfs, wobei dirigistisches Regelwerk als Ausdruck falsch verstandener Waidgerechtigkeit als überholt gilt. Jagdliches Schießen hat für viele eine wichtige sportliche Bedeutung und hohen Freizeitwert. Dies ist so. Darum dient auch das jagdsportliche Schießen letztlich der jagdlichen Praxis und der Erfüllung der Verpflichtungen aus dem Tierschutz.

Die von IBUS im Fachgebietsreferat Schießwesen und Ballistik im WJSC entwickelte Schießordnung für Jagdschießen hat es nicht nötig, sich in Kleinigkeiten zu verlieren. Richtungsweisend sind vielmehr die jagdlichen Anforderungen, die sich aus der Kombination von Waffe und Munition auf der einen Seite und Schußposition (Stellung und Entfernung) sowie Ziel (Wild in freier Wildbahn) auf der anderen Seite zwangsläufig ergeben. Die Ausgestaltung der Schießordnung und die Gestaltung der Scheiben soll das Prinzip des jagdlichen Schießens in vielen Formen und Variationen verwirklichen.

So ist bei der Jagd einziger Zweck, das Wild schnell und sicher zu erlegen, wobei der sichere Schußwaffengebrauch ein zweckdienliches Mittel ist. Die Schwierigkeit beim bisherigen jagdlichen Schießen besteht allerdings darin, daß sich ein recht starker an sportlichen Maßstäben orientierter Zweig entwickelt hat. Jagdliche Schußsituationen in der Praxis sind dagegen fast immer anders, lassen sich jedoch für das Übungsschießen auf wenige Standardsituationen reduzieren. Viel Zeit bleibt unter jagdlichen Bedingungen für den einzelnen Schuß oft nicht. Deshalb ist jede Disziplin innerhalb eines Zeitlimits zu erfüllen.

Technische Scheiben

SAS Langwaffen mit Zielfernrohr
IKLS Kurz- und Langwaffen mit offenem Visier IKLS

Schüsse sauber anzutragen, ist Prüfstein des Jagdschießens.

Wir hatten die Absicht den Schrotschuß und den Kugelschuß mit Lang- und Kurzwaffen auf dem Schießstand so zu modifizieren, daß es künftig jedem Jäger Spaß macht an Übungsschießen teilzunehmen, und dem im Wettkampf nach meßbarer Leistung Strebenden Freude bereitet, auf praxisnahe Art und Weise erfolgreich zu sein. So sollte sich das Flintenschießen der Jägerschaft sollte sich, wie schon vor vielen Jahren bereits praktiziert, mehr am Jagdparcours und Compak Sporting  der F.I.T.A.S.C. und Jägerparcours und Compact Parcours des A.J.S.C  orientieren.

Das Kurzwaffenschießen wird durch besonders praxisgerechte Aspekte belebt werden. Doch darüber werden wir nach weiteren Beiträgen sicher noch heiße Diskussionen erleben.

Stehende Scheiben

Gams 100 m - 200 m 0° = spitz von vorn
Bock 100 m - 200 m 30° = wegziehend
Muffel 100 m - 200 m 45° = zustehend
Fuchs 100 m - 150 m 90° = quer

An dieser Stelle wollen wir zunächst das Augenmerk auf das Büchsenschiessen lenken. Der sichere und dokumentierte aufgelegte Schuß mit dem Zielfernrohr am Anschußtisch auf die technische Spezial-Anschuß-Scheibe SAS oder mit Kimme und Korn auf die Integrierte Kurz- und Langwaffen-Scheibe IKLS sind Voraussetzung und Ergänzung zum praxisorientierten Schuß, weil der Jäger wissen muß wie Waffe und Munition ohne "Revierstreuung" und "Jagdfieber" harmonieren. Für den jagdlichen Schuß werden Wildscheiben gebraucht, die Wild in verschiedenen Positionen zeigen. Wir denken dabei vier Grundstellungen, wobei die Trefferzonen in einen letalen Bereich (= liegt am Anschuß oder in unmittelbarer Nähe) und einen nicht letalen Bereich (= kommt durch Nachsuche zur Strecke) aufgeteilt werden. Nur für den Wettkampf wird die letale Zone unterziffert in 10-9-8 Ringe. Die Schußentfernungen sollen, wenn möglich variiert werden, wenn die Schießanlagen es erlauben.

Die Stellungen und Schußentfernungen des Wildes sind:

Bewegliche Scheiben

Keiler 50 m 30° = wegflüchtend,
Kahlwild 60 m 30° = zutrollend,
Fuchs 50 m 90° = querschnürend.

Für jeden Kugelschuß bleiben in der Leistungsstufe 10 Sekunden, beim Übungsschießen 20 Sekunden Zeit. Beim Übungsschießen werden keine Ringe gezählt. Auschlaggebend sind die Lage und die Treffer einer 5-Schuß-Gruppe in der letalen Zone. Wechselnde Scheiben schaffen neue jagdliche Situationen. Jede Scheibe ist im Zeitlimit mit fünf Schuß zu beschießen. Der Jäger lernt seine Leistungsgrenze kennen. Diese Grenze liegt bei der Entfernung, bei der die fünf Schüsse noch sicher in die letale Zone gesetzt werden können. Mancher wird bei 60 Metern schon überfordert sein, andere erst bei deutlich über 200 Metern. Beim Wettkampfschießen wird in gleicher Weise verfahren. Um jedoch eine Wertung vornehmen zu können, wird die letale Zone mittels einer Folie oder entsprechenden Spiegels in die Ziffernzone aufgeteilt.

Den Ideen und Ausarbeitungen des  IBUS  im FGR Schießwesen und Ballistik im WJSC folgten viele Jäger, jagdliche Gruppierungen und auch Firmen und orientierten die eigene Schießweise an den Herausforderungen einen praxisorientierten Umgang mit Jagdwaffen. So fanden die anatomische Schußbildauswertung sowie die Anschußscheiben besondere Nachahmung.

Das Akademische Jagd-Corps Artemis zu München hat eine lobenswerterweise eigenständige geographisch und regional angepaßte Variante für Jagd und Schießen im Gebirge entwickelt, welche Intention und Idee eines internationalen Jagdschießens im Sinne dieses Beitrags in besonderer Weise verwirklicht. Dies Leistung verdient unsere volle Anerkennung. Hierzu wurde eigens die Bergjagdnadel gestiftet.

Wie unschwer festzustellen, werden unsere, insbesondere auf Initiative von H. M. Busch-Lipphaus, seit Anfang der 1980er Jahre entwickelten und veröffentlichten Ideen, seit einiger Zeit von verschiedener Seite übernommen und versucht in die Praxis umzusetzen und mit unterschiedlichem Erfolg betrieben, zumal nunmehr einige technische Möglichkeiten mehr zur Verfügung stehen. Manche brauchen eben mehr Zeit zur Erkenntnis, aber verkaufen diesen dann als ihre neusten Errungenschaften.

Auf lange Sicht wünschen wir den Jägern einen Kugelparcours für den Büchsenschuß, der genauso interessant ist wie der Jagdparcours für das Flintenschießen innerhalb einer europäischen Rahmenschießordnung für jagdliches Schießen.

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