Schrotschuss 2018 ... und immer noch tschüss ....

Schrotmassenreduzierung ist der Einstieg in den Ausstieg vom Flintenschießen!

"Mit der 28-Gramm Ladung ist das Ende der Fahnenstange erreicht!"

(So DJV Vizepräsident Anton Köhler in einem Interview während der DJV Bundesmeisterschaft 1993 in Freiburg)

Offensichtlich nicht! Soweit zur Glaubwürdigkeit!

Wann wird der DJV e.V. sich in seinem jagdlichen Schießen endgültig vom Schrotschießen verabschieden?

Der Deutsche Jagdschutz Verband DJV e.V. hat nach 1989 wieder einmal beschlossen, daß bei seinen Meisterschaften im jagdlichen Schießen ab 1999 nur noch Schrotpatronen mit einer wiederum reduzierten Schrotmasse von 24 Gramm (7/8 oz. oder 11/13 oz) verwendet werden dürfen. Die Landesjagdverbände sollen diesen Beschluß für ihre Bereiche umsetzen. Schützen- und Jagdverbände haben das Schrotgewicht der Wurfscheibenpatronen auf eine 7/8 Unze begrenzt, um das Treffen zu erschweren." ,,Keine Nachteile durch 28-Gramm." So oder ähnlich lasen sich 1989 die Mitteilungen und Werbetexte über die neue Schrotmasseneinschränkung in der Fachpresse und in Jagdzeitungen. "Keine Nachteile durch 24 Gramm" hieß es auch 1999 ... - und wie geht es weiter? Wer weiß, wo die Fahnenstange endet? Beim internationalen jagdlichen Schießen nach FITASC, der auch der DJV angehört, sind immerhin noch 28 Gramm (1 oz) Vorlagen zulässig. Inwieweit hier dem logistischen Druck der Munitionshersteller zu einer latenten Preiserhöhung nachgegeben wurde, bleibt zu untersuchen.

Die 3/4 oz ( 21g) oder 5/8 oz (18g) Ladungen scheinen schon anvisiert!

Nur die Jäger, Schützen, die Verbraucher, die letztlich betroffenen, die diese Patronen annehmen und kaufen sollen, wurden nach ersten Reaktionen überrascht und sitzen nun auf ihren Vorräten. Wenn etwas recht plötzlich und unerwartet beschlossen wird, das gilt ganz besonders für das jagdliche Schießen, dann ist immer eine besondere Skepsis angebracht, zumal die Erwägungen und Entscheidungsbahnen undurchsichtig bleiben. Es soll einmal versucht werden, diese Änderung analog zur letzten gravierenden Einschränkung zu durchleuchten und dabei den Sachverhalt objektiv darstellen, die Auswirkungen aufzeigen, aber auch mit kritischen Anmerkungen und Fragen nicht zurückhaltend sein. Dabei wurde auch bei der Umrechnung von Unzen (oz) in Gramm eine verborgene weitere Reduzierung der Vorladung bewirkt.

Die 24 Gramm Ladung verletzt die Grundsätze nicht nur deutscher Waidgerechtigkeit, weil sie zu einem jagdpraxisfeindlichen Schrotschuß verleitet! Die Schrotgeschwindigkeit steigt! Das Vorhaltemaß verändert sich! Der Gefährdungsbereich wird größter! Der jagdliche Schrotschuß wird für viele Jäger kaum noch trainierbar und somit unkalkulierbar! Es muß also mehr geübt und geschossen werden! Doch davon ist nicht viel zu bemerken!

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang eine Pressemitteilung des DJV vom 23. März 1989 mit dem Titel "keine Nachteile durch 28 Gramm-Patronen". Es heißt darin: ,, Keine Nachteile bei der Verwendung von 28 Gramm-Schrotpatronen gegenüber Patronen mit einer Ladung von 32 Gramm (1 1/8 oz) beobachtete seinerzeit die Deutsche Versuchs- und Prüf- Anstalt für Jagd-und Sportwaffen (DEVA) ohne entsprechende Analytik bei einem Vergleichsschießen in Buke / Nordrhein - Westfalen. In 52 jagdlichen Durchgängen beschossen zwei Rotten mit jeweils sechs versierten Schützen insgesamt 1560 Tauben. Die Flugweite war auf 70 Meter eingestellt Zuallererst möchte ich hier deutlich betonen, daß bislang für Meisterschaften im jagdlichen Schießen eine Schrotladung von 36 Gramm zugelassen waren. Von da her ist die Aussage des ersten Satzes gefährlich irreführend, weil sie suggeriert, daß der Unterschied im Grunde gar nicht so groß ist. Außerdem ist immer Vorsicht geboten, wenn jemand etwas wegnimmt und behauptet, es wäre kein Nachteil.

Weiter muß auch die Signifikanz und Aussagefähigkeit des ,,Buke - Versuchs" bezweifelt werden. Gerade diesen Zweifel stützt  selbst der nicht unumstrittene Herr Ing. Kinsky von der DEVA, auch wenn sonst gutachtlich nicht immer auf der Höhe, wenn weiter im gleichen Papier ausgeführt wird: ,,Der technische Leiter der DEVA, Ing. Helmut Kinsky, betonte, daß aufgrund der relativ geringen Anzahl der Durchgänge keine endgültig gesicherten Aussagen über die Leistung und Eignung der 28 Gramm -Patrone für das jagdliche Trap-Schießen möglich seien. Die Schießergebnisse ließen jedoch den Trend erkennen, daß keine Nachteile bei der Verwendung von 28 Gramm Patronen zu erwarten seien, wenn unter den bisherigen Bedingungen der DJV-Schießvorschrift geschossen würde".

Dagegen schreibt Herr Strube von der  DEVA e.V:  in Der Pirsch Heft 7/89 5. 46f unter dem Titel ,,...wie wirken 28 Gramm?,, zur Deckung der 28-Schrotladung: ... für den zweiten Schuß, auf 42 m zeigen sich erhebliche Unterschiede in der Deckung. Bei der 28g-Patrone ist sie schon so lückenhaft, daß zuverlässiges Treffen nicht mehr gewährleistet werden kann: Die Wurftaube kann dabei beim Zusammentreffen ungünstiger Umstände, auch wenn sie mitten in der Garbe liegt, von den Schroten verfehlt werden." Weiter fordert er als Konsequenz daraus: ,,Für das jagdliche Wurftaubenschießen wird es also beim Trap künftig erforderlich sein, entweder den zweiten Schuß schneller abzugeben - oder die Wurfweite der Tauben zu verkürzen.". Wieviel mehr gelten diese Vorbehalte erst bei 24 Gramm Ladungen!

Ist es nur eine Frage der Zeit, bis die unkluge und unkundige Politik des DJV e.V. und deren sogenannten Berater die Vorladung auf Null reduziert haben wird und somit das Schrotschießen scheibchenweise abschafft?

Tatsächlich wird nur von einer längst überfälligen und notwendigen Reform des jagdlichen Wurfscheibenschiessen in Richtung eines normierten und reduzierten Parcoursschiessens und dem Erhalt  und Ausbau von Schießanlagen abgelenkt. Ebenso werden latente erhebliche Preiserhöhungen  bei den Schrotpatronen zum Nachteil des Schießens verschleiert.

Die Diskrepanz zwischen Jagdpraxis und jagdlichem Schießen wird am Beispiel des Schrotschießens besonders deutlich. Die Schießtechnik, Schwingen und Vorhaltemaß sind gegenüber der Jagdladung deutlich verändert. Die höheren Geschwindigkeiten der 24-Gramm Ladungen verleiten zum Punktschießen. Das ist letztlich wider den Tierschutz und die Jagdethik.

Diesem widerspricht nun aber die DJV-Pressemitteilung, wenn dort überdeutlich herausgestellt wird: ,,Hiermit wurde erneut bestätigt, daß es keine Veranlassung gibt, die in der DJV-Schießvorschrift angegebene Wurfweite der Tontauben von 70 Meter (plus/minus fünf Meter) zu verändern.". Zumindest jetzt melden sich beim aufmerksamen Jäger/Leser erhebliche Zweifel an, die nicht so bestehen bleiben dürfen. Zutreffend ist, daß die 28-Gramm (1 oz) Beschränkung in keiner Weise für die Jagd, für das Übungsschießen und für die Jägerprüfungen gilt. Es sei denn, daß pfiffige Behörden auf die Idee kommen, auf Wurftaubenständen nur noch 24-Gramm Schrotladungen zuzulassen, wie in einem alarmierenden Beispiel in Der Pirsch 13/89 auf S. 42f  beschrieben. Wie stellt sich nun der Jäger zu dieser recht widersprüchlich dargestellten Problematik? Es ist auffällig, wenn der DJV in Pressemitteilungen, die eher nach Dementis aussehen, eine Sache verteidigt, bevor sie Überhaupt kritisch betrachtet und durchleuchtet wurde. Gleiches gilt analog, jedoch verstärkt für die 24-gramm Ladungen. Deshalb möchte ich die Schrotladungsproblematik einmal darstellen und diskutieren.

1. Bestandsaufnahme

Zunächst einmal eine kleine Bestandsaufnahme mit der Frage: welche Schrotmassen sind in den gebräuchlichen Kalibern üblich? Tabelle 1 Schrotladung / Kaliber Die Tabelle zeigt die Bandbreite der gebräuchlichen Schrotladungen für die einzelnen Schrotkaliber. Dabei fällt auf, daß z.B. im Kaliber 12 die 28-Ladung im Minimalbereich liegt. Die 24-Gramm Ladung ist völlig atypisch. Folglich wird dieses Kaliber nicht optimal ausgeschöpft. Im Kaliber 16 wird es schwierig 28-Gramm Ladungen zu erhalten. Viele Jäger gebrauchen noch dieses Kaliber zum jagdlichen Wurftaubenschießen. Für das Kaliber 20 können sich nun ganz neue Welten eröffnen, weil hier das Verhältnis zwischen Vorladung und den Dimensionen der Patrone im optimalen Bereich angesiedelt ist. Jede Patrone hat einen optimalen Einsatz- und Konstruktionsbereich. Ein ausgewogenes Verhältnis von innerem Aufbau zum Leistungsspektrum bestimmen die Wertigkeit einer Patrone. Bei Büchsenpatronen käme niemand auf die Idee beispielsweise eine .300 WINMAG ständig auf die Leistung einer .30-30 WIN zu reduzieren. Dies widerspricht dem Charakter der intendierten Patroneneigenschaften. Das gilt auch für Schrotpatronen, ebenfalls einen optimalen Bereich hinsichtlich Vorladung und Geschwindigkeit haben. Die amerikanischen Ballistiker haben dafür den bei uns ungebräuchlichen Begriff dram oder auch dramequiva1ent. Ursprünglich stammt dieses Maß aus der Schwarzpulverzeit. Ich möchte es knapp so beschreiben: ein dram ist die Pulvermenge, die eine bestimmte Vorladung auf eine bestimmte Geschwindigkeit beschleunigt. Dram - Angaben finden sich heute noch in Ladetabellen und auf Patronen amerikanischer Hersteller. Doch zunächst einmal zu den Bestimmungen der DJV-Schießvorschrift und der DSB-Sportordnung (ISSF (UIT)-Reglement), wie sie bislang gültig waren. Nach der DJV-SV waren Schrotpatronen bis Kaliber 12 mit einer maximalen Schrotmasse von 36,0 Gramm (>1,25 oz) zugelassen. Zu allem muß zunächst vorausgesetzt werden, daß es sich um Bleischrot handelt. Das wird noch wichtig, wenn die Frage nach dem Sinn des ganzen gestellt wird. Der Schrotdurchmesser ist nach der Schießvorschrift für Trapstände auf maximal 2,5 mm und für Skeetstände auf maximal 2,0 mm festgelegt. In der Regel werden beim Trap Schrotdurchmesser von 2,2 mm (# 8) und 2,4 und beim Skeet von 2,0 (#9) eingesetzt. Hierbei wird stillschweigend Blei (Pb) als Projektilmaterial vorausgesetzt. Die Regeln der seinerzeitigen UIT (Union international de tir / Internationale Schützenunion) und somit der DSB (Deutsche Schützen Bund) gestatteten bislang für das Wurfscheibenschießen (Trap und Skeet) eine Schrotladung von 32,0 Gramm (>1 1/8 oz.) Bleischrot. Folgende Tabellen erleichtern es, die Zusammenhänge zwischen und der Korngröße und der Ladung einerseits und dem Material und der Körnerzahl andererseits zu verstehen. Zum Vergleich und zur Orientierung wird hier eine Umrechnungstabelle zwischen Gramm (g) und Unzen (oz) abgebildet. Tabelle 2: g/oz Umrechnung Tabelle 3: Masse / Korngröße Kaliber 12 (Blei) Tabelle 4: Material / Körnerzahl / Korngröße / Masse Aus den unterschiedlichen Dichten von Blei (Pb = 11,6 g/cmł) und Eisen (Fe = 7,8 g/cmł) ergeben sich zwangsläufig für Stahlschrot höhere Körnerzahlen bei gleicher Korngröße und Vorladungsmasse. Die Querschnittsbelastung und damit die ballistischen Eigenschaften werden gegenüber dem Bleischrot geringer. Bekanntlich werden (vgl.: DEVA Untersuchung / Shotloading Handbook) für Stahlschrote größere Korndurchmesser erforderlich, um vergleichbare ballistische Werte (Flugbahn /Energie) wie beim Bleischrot zu erhalten. Der Korndurchmesser ist dann soweit zu vergrößern, bis die Masse von Blei- und Stahlschrot gleich ist, wird der Korndurchmesser für Stahlschrot größer, muß auch zwangsläufig die Masse der Ladung angehoben werden, um die gleiche Körnerzahl zu erreichen, damit die Deckung des Schrotschusses gewahrt bleibt. Deckung und Streuung sind die spezifischen und gewünschten Eigenschaften des Schrotschusses. Stimmt ein Faktor nicht, dann wird ein Schrotschuß fragwürdig, wenn nicht gar überflüssig. Diese einfachen physikalischen Überlegungen sollten Auswirkungen auf das Reglement haben. Die Flugweite der Wurfziele ist entsprechend der veränderten Deckung durch Reduzierung der Anfangsgeschwindigkeit zu verringern. Die ist für den jagdlichen Bereich enorm wichtig, weil ja recht unterschiedliche Disziplinen nicht nur mit ein und derselben Waffe sondern sogar noch mit denselben Chokes geschossen werden müssen. Von der Übung für unterschiedliche jagdliche Situationen möchte ich hier noch gar nicht reden.

2. Warum Reduktion der Schrotmasse ?

Hier und da regt sich schon die eine oder andere kritische Frage nach den Gründen für diese plötzliche Reduzierung der Schrotmasse. Dabei möchte ich die Gründe der Sportschützen und die der Jägerschaften getrennt aufzeigen und betrachten.

2.1 Beweggründe der Sportschützen (ISSF (UIT) / DSB).

Wer schon einmal höhere Meisterschaften im Wurfscheibenschießen ( das Wort Wurftaube gibt es im Vokabular der Sportschützen offiziell nicht mehr, ebenso wie der laufende Keiler der laufenden Scheibe gewichen ist) verfolgt hat, wird festgestellt haben, daß doch recht viele Schützen die volle Trefferzahl von 200 Wurfscheiben erreichen oder mit gleicher Trefferzahl auf den vorderen Plätzen 1iegen. Dies führt zu schier endlosen Stechen, die für Schützen und Funktionäre doch recht belastend sind und das Schie3en nicht gerade publikumswirksamer machen. Da kam jemand auf die Idee, als Handikap die Schrotladung zu reduzieren. Dies ist in gewissen Grenzen möglich und auch akzeptabel, weil sportliche Wurftauben-schützen ihre speziellen Disziplinen mit besonders dafür ausgelegten Waffen und Anschlagarten ausüben. Dieses Handikap hat im sportlichen Bereich sicherlich seine gerechtfertigte Begründung. So werden ja auch in gewissen Abständen die Zielscheiben verkleinert, um die Leistungsspitze zu differenzieren. Alternative Möglichkeiten sind, die Schußentfernungen zu vergrößern, oder die Anfangsgeschwindigkeit der Scheiben zu erhöhen, um folglich die Wurfweite zu verlängern. Aber auch hier sind irgendwo sachliche Grenzen gesetzt, die dann überschritten werden, wenn Treffer zufällig werden. Im sportlichen Wurfscheibenschießen finden Europa- und Weltmeisterschaften statt. Es ist sogar olympische Sportart. Deshalb sind internationale Vereinbarungen nicht nur wichtig, sondern unverzichtbar.

2.2 Beweggründe beim Jagdlichen Schießen

Die viel drastischer ausgefallene Reduzierung beim jagdlichen Schießen müßte auch schon andere Gründe liefern, weil es auch andere Voraussetzungen gibt. Immerhin beträgt die Kürzung 22,2% Denn die erlaubte Vorladung wurde von 36 Gramm auf 28 Gramm gekürzt. Das ist erheblich. Im jagdlichen Schießen gibt es kein internationales Reglement. Auch gibt es keine internationalen Meisterschaften, allenfalls wenige internationale Vergleiche, die nicht allgemein zugänglich sind. Deshalb kann mit internationaler Vereinheitlichung nicht argumentiert werden. Neben der Lärmbelastung auf Schießständen wurde in letzter Zeit die Belastung der Böden durch Bleischrot als Angriffsfläche gegen das Schiessen angeführt. Hierzu fanden umfangreiche Untersuchungen statt, die auch veröffentlicht wurden. So ist beispielsweise der Bericht aus dem Bayerischen Landesamt für Umweltschutz (Heft 78) zu bestimmten Ergebnissen gekommen, die mittlerweile zu Empfehlungen für die Genehmigungsbehörden geführt haben. Als gewichtiges Argument wird angeführt, daß durch die Bleiimmission auf Schießständen erheblich reduziert wird. Sicherlich ist die Bleibelastung von Böden ein ernstes Problem, das den umweltbewußten Jäger nicht vor die Frage stellt, 28 oder 36 Gramm zu nehmen, sonder vielmehr die Frage hervorruft, überhaupt noch mit Schrot in der überkommenen Form zu schießen. Dies würde aber letztlich bedingen, daß das gesamte jagdliche Schrotschießen aus reinen Erwägungen des Umweltschutzes heraus völlig neu konzipiert werden muß, wenn es überhaupt noch vertretbar sein soll. Oder wer hat jemals ernsthaft über solche Dinge wie Bleirückgewinnung oder Eintragsflächenveringerung nachgedacht? Nachdem wir jahrelang darauf hingewiesen haben, wurde einige entsprechende Konzepte entwickelt und teils auch schon umgesetzt. Eine  Bleirückgewinnung würde wiederum eine konzeptionelle Überarbeitung jagdlichen Wurftaubenschießens bedeuten. Dagegen kommt mir die Schrotmassenreduzierung wie eine schwache kosmetische Zahlenkorrektur vor. Wenn ernsthaft der Umweltschutzgedanke hinter dieser Änderung stünde, dann wäre es dringend erforderlich Alternativmaterialien zu fördern. So könnten z. B. entsprechende Korngrößen und Schrotmassen für Weicheisenschrot festgelegt werden. Dessen Benutzung könnte durch das Reglement gefördert werden, indem beispielsweise bei Treffergleichheit der Weicheneisenschrotbenutzter bevorzugt wird. Aber leider ist von ähnlichen Überlegungen kaum etwas zu vernehmen. Aber dann wäre noch so manches zu ändern.

Auf Schießständen, die aufgrund ihrer geologischen Struktur und ihres Bewuchses mit den umweltschützerischen Anforderungen vereinbar sind, ist es letztlich gleich, mit welcher Schrotladung geschossen wird, landwirtschaftliche Nutzung ist ohnehin ausgeschlossen. Denn nach offizieller Darstellung ist jagdliches Schießen nie Selbstzweck, sondern vielmehr Übung für waidgerechte Jagdausübung und tierschützerischem Schußwaffengebrauch. Dabei darf es keine sportlichen Aspekte geben, denn nur der sicher tötende Schuß ist ein jagdlich vertretbarer Schuß. Der ,,normale" Jäger (normal: = der nicht ständig an DJV-Meisterschaften teilnehmende Jäger), der zum jagdsportlichen Schießen keine Resonanz herstellen kann, wird in seinem Übungsbestreben gehindert oder gar frustriert, wenn er plötzlich erheblich weniger Wurftauben trifft, weil er eben nicht so schnell schießt wie ein trainierter Wettkampfschütze. Deshalb trifft sein zweiter Schuß u.U. nur noch rein zufällig. Wie kann er dann seine Fertigkeit, mit dem zweiten Schuß einen Fehler des ersten Schusses zu berichtigen, richtig einschätzen und trainieren? Deshalb kann das Umweltschutzargument in diesem Zusammenhang absolut nicht gelten, weil der Entlastungseffekt nicht deutlich wird. Denn es wird zu untersuchen sein, ob nicht letztlich der Bleieintrag durch die 28 Gramm-Ladung größer wird. weil erstens häufiger gefehlt wird, und weil häufiger ein zweiter Schuß erforderlich wird. Damit werden dann 56 (48) Gramm statt bisher 36 oder 32 Gramm für eine Wurftaube gebraucht. Außerdem muß letztlich mehr geschossen werden, um die gleichen Resultate zu erhalten. Um diese These zu untermauern ist die Beobachtung der Flintenergebnisse bei Meisterschaften. wenn meine Überlegungen hinsichtlich des Bleieintrages richtig sind, dann müßte die Zahl der gefehlten Wurftauben und die Gesamtzahl der Treffer Zwei gegenüber den Vorjahren gestiegen sein. Das heißt aber auch, daß die Ergebnisse im Durchschnitt etwas geringer ausfallen müßten. Eine nach Leistungsklassen differenzierte Analyse würde dann ergeben, daß die Ergebnisse der weniger geübten Schützen deutlicher absinken als die der Spitzenschützen. Die sehr guten Schützen werden sicher mit jeder Laborierung besser zurecht kommen, so daß der Abstand zu den "normalen" Jägern größer wird. Sobald entsprechende Zahlen vorliegen, werden die Ergebnisse verglichen. Meines Wissens nach, hat der internationale Verband bestimmter Flintendisziplinen - die  F.I.T.A.S.C.  einer Reduzierung der Schrotmasse von 36 Gramm aus guten Gründen lange Zeit nicht nachgegeben. Jedoch nach einigen Streitigkeiten sind ab 2005 auch bei der FITASC  - aus welchen abwegigen Gründen auch immer - nur noch 28 Gramm Ladungen zugelassen sein, was sicher eine ungute Tendenz andeutet. Es stellt sich die Frage wer da wen mit welchen Mitteln zu einer Änderung bewegt hat. Auf jeden Fall wird eine verdeckte Preiserhöhung protegiert.

3. Munitionskosten

In der Vergangenheit wurden Preisanhebungen bei Schrotpatronen häufig mit einen Anstieg der Bleipreise begründet. Da jetzt erheblich weniger Blei verwendet wird, wäre eine Preissenkung sicherlich auch begründbar. Aber davon habe ich noch nichts bemerkt. Material wird eingespart. großartige Neuentwicklungen waren nicht erforderlich. Auch die Logistik kommt nicht zu kurz., werden bislang Schrotladungen von 36/34/32/30/28/24/21 Gramm angeboten, so bleibt jetzt nur noch eine spärliche Ladungspalette übrig. Es steht also einer Preissenkung nichts im Weg? Aber verfehlt - die Schrotmassenreduzierung ist eine massive latente Preiserhöhung. Diese Preiserhöhung wird durch Wetkampfbestimmungen insbesondere beim jagdlichen DJV-Schießen begünstigt.

4. Zur Ballistik

Ergeben sich ballistische Veränderungen durch die 28/24-Gramm Patrone? Es wird dieser Patrone nachgesagt, daß der Rückstoß geringer ist, daß die Mündungsgeschwindigkeit größer ist und daß sie sich angenehmer schießt. Wie sehen die Fakten aus, wenn man sie von subjektiven Empfindungen löst ?

Hierzu einige Beispiele, deren Zahlen auf Herstellerangaben beruhen, berechnet für eine Flinte mit einer Masse von drei Kilogramm Rückstoßenergien.

v 0 m 0 m 0 E r p
m / s g oz J Ns
400 36 1,25 38,5 14,4
380 36 1,25 34,7 13,7
390 32 1,125 29,3 12,5
400 30 1,1 27,3 12,0
400 28,4 1,0 27,5 11,4
380 28 0,99 21,7 10,6
400 24,85 0,88 21,2 9,9
380 24 0,85 20,9 9,1
420 24 0,85   10,1
450 21,3 0,75   9,6
460 21 0,74   9,7

Die Werte zeigen, daß die Rückstoßenergien im Bereich zwischen 32 und 28 Gramm kaum wesentlich verschieden sind. In der Regel sind die Unterschiede für den Mensch nicht wahrnehmbar, deshalb beruhen über ,,weicheres Schießen" allein auf subjektiven Aussagen Empfindungen. Ferner wird gesagt, daß die 28-Gramm Patronen schneller sind als Patronen mit größerer Ladung. Sicherlich ist in gewissem Rahmen Geschwindigkeitssteigerung möglich, aber das ist auch mit anderen Schrotladungen möglich, wie die ballistischen Tabellen Handladedaten insbesondere amerikanischer Hersteller ausweisen. Unter der  1 oz Ladung bleibt der Mündungsimpuls relativ konstant.

Ende der 70- Jahre des vorigen Jahrhunderts brachte ein großer deutscher Schrotpatronenhersteller eine 28-Gramm-Ladung auf den Markt. Wer erinnert sich nicht noch an die preisgünstigen grünen Vollplastikhülsen dieser Spezialpatrone. Die Technik war also schon einmal da. Beliebt waren diese Patronen nicht.

Warum verschwand diese Patrone wohl wieder vom Markt?

Wie sieht es um die Wesensmerkmale der Schrotpatrone Streuung und Deckung bestellt?

Hierzu brauchen eigentlich keine großartigen experimentellen Untersuchungen angestellt werden, da jede Flinte andere Ergebnisse liefert, die in der Tendenz eindeutig sein dürften. Mit logischer Überlegung wird man recht bald dahinterkommen, daß weniger Schrot auch weniger Fläche deckt oder ungleichmäßiger verteilt ist, so daß Lücken entstehen. Dies deckt sich auch mit den Beobachtungen von Herrn Strube. Ebenso sind in diesem Zusammenhang die Ausführungen Lothar Kassuhn (Direktor VEB Schönebeck Horrido) zu werten. In VDB aktuell 3/89 weist er der 28-g-Patrone einen optimalen Bleischrotdurchmesser von 2,33 mm zu. Damit erhöht sich die Körnerzahl leicht gegenüber dem 2,41 mm Schrot. Die günstige Mündungsgeschwindigkeit liegt zwischen 375 und 385 m/s, wenn die Querstreuung nicht zu groß werden soll. Dies zeigt, daß der vielgelobte Vorteil der höheren Geschwindigkeit insofern gar nicht zutrifft, oder nachteilige Wirkungen hat. Das Bild wird einseitig verzerrt, wenn 32-g-Ladungen mit 2,4 mm und 28-g-Ladungen mit 2,3 mm Schrot in der Deckung verglichen werden, zumal die Schußentfernung nur 20 Meter anstatt der üblichen 35 Meter. Auf diese Weise kann jede Ladung kombiniert mit einer beliebigen Schrotgröße die gewünschten Resultate bringen.

In die gleiche Richtung zielt die subsonic (Unterschallgeschwindigkeitspatrone v < 330 m/s) z.B. der Dynamit Nobel. Sie erreicht mit 28 g Schrot und einem Gasdruck p 307 bar eine Mündungsgeschwindigkeit von 320 m/s. Zwar wird die Lärmimmission von 115,x auf 111,8 dB/A gesenkt, jedoch kann das negative Auswirkungen und Auflagen für manche Schießanlagen nach sich ziehen. Die ballistischen Vorzüge der 28 g-Ladung sind jedoch damit endgültig abgeschrieben. Vor einigen Jahren habe ich selbst mit Niederdruckschrotpatronen experimentiert, jedoch die Versuche abgebrochen, als keine Verbesserungen sichtbar wurden. Letztlich sind aus ballistischer Sicht eher Nachteile als Vorteile festzustellen. Zumal die schnellen Schützen durch die stark abnehmende Deckung den bedächtigen Schützen gegenüber im Vorteil sind.

5. Lösungsansätze

Welche anderen Möglichkeiten gibt es denn, um den Nachteilen entgegenzuwirken? Da ist zuerst einmal die bereits erwähnte Reduzierung der Wurftaubengeschwindigkeit und damit eine Verringerung der Wurfweite. Zweitens können größere Abgangswinkel für die Wurftauben eingestellt werden, wodurch sich die Flugdauer erhöht. Zum dritten wird es höchste Zeit daß das jagdliche Schießen sich endlich von und überholten Vorschriften löst und sich von antiquierten Vorstellungen verabschiedet. Zuallererst müssen Wechselchokes und auch der Chokewechsel zwischen Trap und Skeet beim jagdlichen Schießen zugelassen werden. Es ergibt keinen Sinn, diametral entgegengesetzte Schießübungen mit den gleichen Chokes ausführen zu müssen. Jeder Flintenhersteller, der etwas auf sich hält hat Wechselchokewaffen im Programm, die gerade für die Jagd sinnvoll sind. Warum nicht für das jagdliche Schießen? Man könnte sicherlich bestehende Nachteile beim Trap lindern. Beim Skeet braucht man nicht auf die oftmals teureren Streupatronen ausweichen, die zudem die Plasitikstreukreuze in die Umwelt eintragen. Mit entsprechenden Chokewechselmöglichkeiten könnte u. U. ganz auf Plastikzwischenmittel verzichtet werden und auf Patronen mit verrottendem Filz- oder Pappzwischenmittel zurückgegriffen werden. Wenn Umweltschutz, dann aber bitte konsequent zu Ende denken. Als nächstes muß das ebenso unsinnige wie überflüssige Verbot von selbstgeladenen Schrotpatronen" aus der DJV-Schießvorschrift ersatzlos wegfallen. Denn wer Umweltschutz praktizieren will, der muß auch die Möglichkeit haben die Hülsen wiederzuverwerten. Dies fordern auch die fachlichen Empfehlungen zur Überprüfung und Genehmigung von Wurftaubenanlagen dreier bayerischer Landesämter (Geologie; Umweltschutz; Wasserwirtschaft (AZ: 4157-6, 2/5-253-154/88, 11/ 5-4561).

Nebenbei bemerkt sind handgeladene Patronen nicht unbedingt selbstgeladen. Denn nur dem Handlader kann es gelingen unter Beachtung der 24- oder 28-Gramm Ladung eine für seinen Schießstil und seine Flinte optimale Ladung zu erstellen, Sicherlich wird dagegen eingeredet werden, daß es nicht kontrollierbar sei, ob nun tatsächlich 24- oder 28-Gramm-Schrot in der Hülse sind. Dem ist entgegenzuhalten, daß derzeit auch nicht kontrollierbar ist, welche Schrotmasse tatsächlich in der Hülse ist. Was auf der Packung oder der Hülse steht ist doch unerheblich. wenn jemand mogeln will, das tut er es auch. Das Problem liegt darin, daß die Aufsichten so oder so nicht in der Lage sind eine entsprechende Kontrolle durchzuführen. Letztlich kommt also noch das Problem der Kontrolle als Generalverdacht hinzu.

Schießen soll Spaß machen, jagdliches Schießen soll der Jagd zugute kommen, aber irgendwann muß doch mal Schluß sein mit irrwitzigen Vorschriften, die die Jäger sich durch ihre Funktionäre in den bestimmten Jagdverbänden unnötigerweise selbst auferlegen. Und diese Tendenz ist gefährlich. Abgesehen von der heimlichen Enteignung des Bestandes an Schrotpatronen, wäre etwas mehr Hirnschmalz besser gewesen. Ich möchte auch weiterhin gerne schießen, ohne mich mit überzogenem Regelwerk herumärgern zu müssen. Einige dieser Geister, um Goethes Zauberlehrling anzuführen, haben Jäger und Schützen ohne Not in die Verordnungen gezaubert. Aber wie werden wir sie wieder los, wenn sich nach einiger Zeit herausstellt, es ist doch ganz anders.

(c) HMBL

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